Literaturland Hessen | Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor
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Literaturland Hessen | Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor
Die Lyrikerin und Performerin Nora Gomringer erhält im Jahr 2025 den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor. Der Förderpreis geht an Stefanie Sargnagel.
Der "Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor" wird von der Stiftung Brückner‐Kühner und der Stadt Kassel vergeben und zeichnet Schriftsteller aus, deren Werk von Komik und Groteske auf hohem künstlerischen Niveau geprägt ist. Der zugehörige "Förderpreis Komische Literatur" geht an Autoren am Anfang ihrer Laufbahn.
Wir senden einen gekürzten Mitschnitt der Preisverleihung am 29. März 2025 um 17 Uhr im Kasseler Rathaus. Moderiert wird die Preisverleihung von Julia Blando, der Kuratorin der Stifung Brückner-Kühner. Sie hören zunächst die Laudatio von Markus Gärtner, Programmleiter Literatur beim Rowohlt Verlag, auf Stefanie Sargnagel.
Begründung des Stiftungsrates
Nora Gomringer lebt als Dichterin und Performerin Sprache körperlich aus: Die Klarheit und Präsenz beim Sprechen und die Intermedialität ihrer Werke zeugen von einer klugen und mutigen Künstlerin. Dabei sorgt ihre Komik stets für eine Verschiebung der Weltbetrachtung. Menschen werden zu Monstern und Tiere zu Menschen, wenn die Autorin mit Tiefenkenntnis Erfahrungen aus aktueller Realität, klassischer Literatur oder Popkultur akustisch und visuell in Wortmusik verwandelt. Mit eindrucksvoller Sprachgewalt verliert sie dabei nie die Lust an Witz und Spiel, was ihre Texte gleichzeitig schwerelos erscheinen lässt. Dieses Changieren gelingt ihr auch auf der Gratwanderung zwischen Humor und Horror, deren Grenzen sie gekonnt auslotet. Als Meisterin der kleinen Form verdichtet die Lyrikerin Welt in wenigen Zeilen mit ungeahntem Nachhall.“Zitat Ende
Nora Gomringer geboren 1980, ist Schweizerin und Deutsche. Sie ist Lyrikerin und schreibt für Radio und Feuilleton, veröffentlicht Kolumnen und Essays. Auftragsarbeiten wie Libretti für Opernprojekte und das Theaterstück "OINKONOMY" wurden für verschiedene Bühnen realisiert. Gastprofessuren und Stipendien führten sie nach Sheffield, Koblenz/Landau, Oberlin (Ohio), Kyoto, New York und Novosibirsk. Seit 2010 ist sie Direktorin des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia in Bamberg. 2011 bekam sie den Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache verliehen, 2015 den Ingeborg-Bachmann-Preis für den Prosatext "Recherche", 2020 die Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz für ihre Verdienste um die deutsche Sprache und 2022 den Else-Lasker-Schüler-Lyrikpreis. Ihr Werk ist in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Die Autorin Stefanie Sargnagel, Jahrgang 1988, erhält im Jahr 2025 den Förderpreis Komische Literatur zum Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor. Die mit 3000 Euro dotierte Auszeichnung wird auf Vorschlag von Verlagen gemeinsam von der Stiftung Brückner-Kühner und der Stadt Kassel verliehen.
Stefanie Sargnagel (bürgerlicher Name: Sprengnagel), 1986 in Wien geboren, studierte Freie Kunst bei Daniel Richter an der Akademie der bildenden Künste in Wien und arbeitete unter anderem in einem Call-Center, worüber sie ihre ersten literarischen Arbeiten verfasste. 2016 nahm sie am Wettbewerb zum Ingeborg-Bachmann-Preis teil, bei dem sie den BKS-Bank-Publikumspreis gewann und im Folgejahr Klagenfurter Stadtschreiberin wurde. Neben ihren prosaischen Werken und humoristischen Cartoons schreibt sie auch journalistische Texte. Im September 2024 begleitete Sargnagel ein Sea-Watch-Team auf Lampedusa und veröffentlichte darüber eine Reportage im Standard.
Sendung: hr2-kultur, "Literaturland Hessen", 06.04.2025, 12:04 Uhr